Polizei und die LGBTIQ*-Community

Missverständnisse im polizeilichen Alltag kommen häufig vor. Problematisch ist das, wenn die Ursachen hierfür eigentlich längst ausgeräumt sein könnten.
Das betrifft neben dem Umgang mit marginalisierten Gruppen auch oft Interaktionen mit bestimmten Communities.

Queere Menschen aus der LGTBIQ*-Community haben zu oft noch ein gespaltenes Verhältnis zur Institution Polizei. Dies rührt natürlich aus der deutschen Rechtsgeschichte her, da insbesondere homosexuelle Handlungen kriminalisiert wurden, queere Menschen während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft verfolgt wurden und auch im Nachkriegsdeutschland Jahrzehnte vergehen mussten, bis der Staat nicht mehr mit polizeilichen Mitteln gegen sie vorging. Beidseitig wurden Feindbilder aufgebaut, deren Abbau noch bei weitem nicht abgeschlossen ist. Die noch defizitäre Rechtsstellung (z.B. im Adoptionsrecht, bei Blutspenden u.w.) sowie moralisch überkommene Haltungen wie z.B. bei vielen religiösen Strömungen tun ihr übriges.

Doch was tun für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen Polizei und LGTIQ*-Community und wie stärken wir die vielen Kolleg:innen, die sich selbst in ihr verorten und dadurch auch im 21. Jahrhundert noch angefeindet und Ziel hämischer Witze und von Ausgrenzungen werden?

In den Polizeibehörden in Deutschland wurden in den letzten Jahrzehnten Stellen eingerichtet, an denen geschulte Ansprechpersonen für LGBTIQ*-Belange für die Verbesserung der Beziehungen Polizei <-> Community einerseits und für die Beschäftigten andererseits einstehen. Beispielhaft kann hier auf die Ansprechstelle der Polizei Berlin verwiesen werden, die als deutschlandweiter Vorreiter bereits seit Jahrzehnten Expert:innen im Hauptamt beschäftigt. In der Hauptstadt gibt es auch analog bei der Staatsanwaltschaft „Ansprechpersonen für LSBTI„.

Für die vielen queeren Beschäftigten in der deutschen Polizei gibt es Vereinigungen wie VelsPol, im europäischen Kontext auch die European LGBT Police Association (vormals EGPA).

Hervorheben möchte ich auch das Engagement meines Kollegen Wolfgang Appenzeller, der bei der Bundespolizei beschäftigt ist und auf seinem Blog sowie in den sozialen Netzwerken als GayGermanCop Zehntausende erreicht und hierfür auch in Uniform einsteht.

GayGermanCop

Wer sich unsicher ist im Umgang mit den Bezeichnungen oder anderen Dingen in diesem Kontext, dem sei empfohlen: Ask a (gay) cop!
Ansonsten kann man sich dem Thema auch z.B. über das Queer-Lexikon des Tagesspiegels nähern oder man schaut mal bei Netzangeboten wie der Siegessäule, dem L-Mag oder der Mannschaft vorbei.

Veröffentlicht in Best Practice, Perspektivwechsel.

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